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Bayern und Olympia

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Bayern und Olympia

Beitragvon Lone Wolf » Mi 28. Jul 2010, 18:08

An sich ein Thema, dass mich so gar nicht interessiert, wenn es da nicht aktuell etwas gäbe, dass mir arg zu denken gibt. Kurz zu Problem - für die, die das nicht mitbekommen (haben). Deutschland würde 2018 gerne die Olympischen Winterspiele austragen. Die Entscheidung, wo diese stattfinden wird zwar erst am 6. Juli 2011 fallen, aber bis zum Ende diesen Jahres muss der Plan stehen. Das würde ja auch noch reichen, wenn da nicht ein paar Bauern sie weigern würden ihr Land zur Verfügung zu stellen. Sie würden es ja noch nicht mal komplett verlieren, nach den Spielen würden sie es ja wiederbekommen. Aber die Menschen aus Bayern sind bekanntlich ja sehr stur. "Oberammergau" hat es schon geschafft, die Pläne erfolgreich zu durchkreuzen, "Garmisch-Partenkirchen" arbeitet noch daran. Dass die Bauern das wohl in erster Linie nur tun, weil sie sauer sind, dass man sie erstmal völlig übergangen hat und erst Quasi ganz am Ende der Planung dann doch noch gefragt hat und ihnen das stinkt, soll mal hier egal sein. Wichtig ist an sich an dieser Stelle nur - die Bauern wollen ihr Land nicht hergeben.

Nun ist es ja so, dass der Staat wenn er z.b. Straßen bauen will oder meint zu müssen und sich Grundbesitzer weigern ihr Land abzugeben, dann darf der Staat ja Zwangsenteignen. Der Eigentümer bekommt zwar etwas Geld, aber er kann sich nicht dagegen wehren, dass man ihm sein Land wegnimmt. Es dient ja dem Wohle der Allgemeinheit. Mag in solch einen Fall ja noch berechtigt sein. Nun aber bekommt unser Ministerpräsident langsam Panik. Er versucht zwar so zu tun, als wäre alles in bester Ordnung und es gäbe doch auch gar keine Probleme und es steht völlig außer Frage, dass wir uns um die Spiele bewerben können,... Er muss in dem Zusammenhang aber auch etwas weiteres gesagt haben - so als letzten Ausweg.

FAZ hat geschrieben:Seehofer kündigte ein „Olympia-Gesetz“ an, in dem die für die Kommunen und die Bevölkerung wesentlichen Dinge festgehalten würden.

Das kann nun vieles heißen. Was wenn das nun bedeuten würde, sollten sich die Bauern wirklich hartnäckig weigern ihr Land für die Spiele bereitzustellen, würde man das ähnlich handhaben wie mit der "Zwangsenteignung". Sprich dieses Gesetzt würde regeln, dass in solch einem Falle die Bauern gezwungen werden ihr Land für den Zeitraum herzugeben. Sie bekämen das wohl hinterher wieder - was würde der Staat da auch sonst an der Stelle groß mit anfangen können - aber sie dürfte eben nicht selbst bestimmen.

Meine Frage ist nun, ist das ok? Soll es einem demokratischen Staat wirklich erlaubt sein für eine temporäre Sportveranstaltung Land zu beschlagnahmen? Ich weiß nun natürlich auch nicht, was auf dem Land dann im einzelnen entstehen soll. Hotels und Mannschaftsquartiere werden es wohl nicht sein, aber man hat da ja einige Sportarten, die schneebedeckte Flächen brauchen, evtl also für sowas? Nur wenn das vorher ne Wiese war, die sieht nach so einer Belastung dann auch entsprechend kaputt aus. Es könnte also auch aus der Sicht bedenken geben und man weigert sich aus solchen Gründen sein evtl gutes Weideland hergeben zu müssen.

Wobei es mich auch interessieren würde, was ihr von "Zwangsenteignungen zum Wohle der Allgemeinheit" insgesamt haltet. Was soll der Staat hier alles tun dürfen?
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Re: Bayern und Olympia

Beitragvon Son of Daedalus » Sa 31. Jul 2010, 12:01

Lone Wolf hat geschrieben:Wobei es mich auch interessieren würde, was ihr von "Zwangsenteignungen zum Wohle der Allgemeinheit" insgesamt haltet. Was soll der Staat hier alles tun dürfen?

Grundsätzlich finde ich Zwangsenteignungen besser, als eine intensive Inflation.
Das Beispiel Commerzbank zeigte ja, wie skurril die Situation mit den Enteignungen ist.
Da wird eine Bank, welche einen Wert von 4 Milliarden Euro hat, mit 16 Milliarden Euro unterstützt, aber es gelangen gerade einmal 25 Prozent des Unternehmens in den Besitz des Bundes. Naja, immerhin gab es in den Filialen Deutschland-Schals vor der Fußball-WM.
Zwangsenteignungen zum Zweck „Brot und Spiele“ durchzusetzen, würde dementsprechend ganz gut ins Bild passen.^^
Der Staat sollte lieber für einen gesunden Wettbewerb sorgen, seine Kernaufgaben bei sich behalten, unsinnige Privatisierungen und Quasimonopole verhindern und „too big to fail“-Unternehmen rechtzeitig zerschlagen und in die Insolvenz schicken. Wenn das nicht gelingt, dann sollte er jederzeit vom Art. 14 des GG Gebrauch machen.
Die Grundgesetzväter haben diesen Artikel aus guten Grund in die Verfassung eingefügt.
Ich finde unser Grundgesetz immer noch vorbildlich.^^
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Re: Bayern und Olympia

Beitragvon Lone Wolf » Di 3. Aug 2010, 14:58

Im Falle einer Bank oder eines Unternehmens könnte ich das ja auch noch verstehen. Wenn man sich schon einmischt und es am Leben erhalten will. Aber dann doch bitte so, dass diejenigen die zahlen müssen am Ende auch irgendwie was davon haben. Das hat mich bei Opel ja so gestört. Man hat nun ein Unternehmen, dessen Firmenleitung und der Inhaber in den USA sitzt, der mit Entlassungen und Schließungen droht, wenn man nicht ordentlich Geld zahlt. Geht das Geld dann in die USA oder kommt es wirklich Opel zu Gute? Und warum der Firma Geld zahlen und ihr nicht lieber das Unternehmen abkaufen? Andererseits bleibt halt da auch immer die Frage, muss man immer alles retten? Wenn keiner mehr Opel kauft, dann bringt es doch nichts das Unternehmen zu retten. Sicher ist das bitter für diejenigen die dort arbeiten.

Was nun Olympia angeht, so werden da bestimmt auch einige Leute dran verdienen. Nur werden das sicher nicht die sein, die dann ihre Wiesen zur Verfügung stellen "dürfen". Im Gegenteil, die könnten hinterher Wiesen zurück bekommen, die auf einige Jahre ziemlich kaputt sind. Wieviel werden die dann wohl von den Gewinnen zu sehen bekommen? Und warum müssen sagen wir 10 Bauern dafür blechen, dass z.b. eine Firma in Köln Gewinn macht? Ich gebe zu, ich fände das irgendwie nicht wirklich gerecht.

Son of Daedalus hat geschrieben:...und Quasimonopole verhindern...

Das dachte ich ja eigentlich auch. War das nicht irgendwann mal so gedacht, dass man schaut, das nicht eine Firma zu groß und Markt beherrschend wird? Damit man genug Konkurrenz hat? Was bitte denkt man sich dann bei der Geschichte "United und Continental fusionieren: Am Himmel die neue Nummer eins"? Das ist nun nichts Deutsches, das ist mir schon klar, aber sind es nicht genau solche riesigen Unternehmen, die im Falle einer Krise dann Probleme bereiten? Wenn ich stattdessen 20 kleine Firmen hätte, dann geht da halt 2-3 Pleite. Was am Ende aber doch besser ist als das gesamte Große?

Ich gewinne nur langsam den Eindruck, dass man in die Richtung großer Firmen steuert und nicht auf viele kleinere Firmen hinarbeitet. Da fallen Absprachen in Sachen Preissteuerung natürlich leichter, auch wenn diese natürlich nicht erlaubt sind...
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Re: Bayern und Olympia

Beitragvon Son of Daedalus » Mo 16. Aug 2010, 16:21

Lone Wolf hat geschrieben:Was nun Olympia angeht, so werden da bestimmt auch einige Leute dran verdienen. Nur werden das sicher nicht die sein, die dann ihre Wiesen zur Verfügung stellen "dürfen".

Berlin sollte Gastgeberstadt der Olympischen Spiele 2000 werden. Ich bin damals als Jugendlicher mit einem „Sydney 2000 – Berliner für Olympia“-T-Shirt herumgelaufen.
Ein Nachbar sprach mich an und fragte, ob dies denn tatsächlich meine Meinung sei, worauf ich in meiner jugendlichen „Allwissenheit“ mit „klar!“ antwortete. Das es natürlich in der Umgebung Sydneys ähnliche Probleme geben würde, habe ich damals überhaupt nicht in meinen Gedankengang miteinbezogen.^^
Egal, wo Olympia 2018 stattfindet, es wird Probleme geben und manche werden profitieren. Das bringt Olympia anscheinend immer mit sich!^^

War das nicht irgendwann mal so gedacht, dass man schaut, das nicht eine Firma zu groß und Markt beherrschend wird?

Das war so gedacht, doch stehen die Kartellämter hinsichtlich der Globalisierung vor großen Herausforderungen.
Das ist das Problem bei den Giganten. Sie sind weltweit so verschachtelt, dass sie für die hiesige Wirtschaft „too big too fail“ werden. Die Lücken, welche sie hinterlassen, werden durch Ausländische Giganten geschlossen oder anders ausgedrückt, wenn beispielsweise BP (British Petroleum) pleite gehen würde, dann freuen sich eben die Niederländer („Royal Dutch Shell“) oder die Amerikaner („Exxon“) oder andere und ihre jeweiligen Aktionäre.
Son of Daedalus
 
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