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Gewalt - ein Lösungsweg?

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Re: Gewalt - ein Lösungsweg?

Beitragvon Son of Daedalus » Sa 31. Jul 2010, 12:51

fremdling hat geschrieben:Und ich glaube es gibt nur ganz wenige, die sich tatsächlich nach irgendwelchen "Normen" richten, die ihnen anerzogen wurden. Im Gegenteil geht man als junger Erwachsener meistens einen ganz anderen Weg.

Nun, das von mir genannte Beispiel „Wolfkinder“, wo Kinder ohne menschlicher Zuwendung und daher „zivilisationsfremd“ aufwuchsen, sollte eigentlich verdeutlichen, dass es selbst für jede unserer Sichtweisen Ursachen gibt, die sozialisierter, evolutionärer und kollektiver Natur sind. Wenn Du recht hättest, dann hätten solche Kids später wohl keine Probleme.

fremdling hat geschrieben:Und übrigens: das System besteht aus Einzelpersonen.

Was willst Du denn damit aussagen? Dass wir alle asoziale Atome, völlig ohne Prägung, Geschichte und Wechselwirkungen sind? Würden wir uns dann nicht alle wie Wolfskinder verhalten? Innerlich fühle ich mich auch völlig inkompatibel zu anderen Menschen, doch sehe ich die Gründe in meiner persönlichen Entwicklung und den darauf beruhenden Anpassungsdefiziten bezüglich der Paradoxien des Kollektivs.
ich denke, dass wir Menschen miteinander "vernetzter" sind, als wir wahrhaben wollen.^^

fremdling hat geschrieben:Obwohl es nicht unbedingt zu dem Thema paßt, will ich auch darauf hinweisen, daß es kein "neoliberal kapitalistisches" System ist, sondern viel mehr ein feudalisch-sozialistisches, bei dem nicht das Geld die entscheidende Rolle spielt, wie es sein sollte, sondern die Herkunft und die sozialen Beziehungen. Eine Vetternwirtschaft auf gut deutsch. Selbst das Geld wird manipuliert und für politische Zwecke mißbraucht - Stichwort staatliches Geldmonopol und das Zentralbankwesen. Den wahren Kapitalismus von Mises und Hayek, also den reinen Markt mit dem Gold als Geld und ohne staatlichen Interventionismus, hat es leider noch nie gegeben, in keinem Land der Welt.

Die (von mir subjektiv empfundenen) Probleme der heutigen Zeit wie Ökologische Vernichtung, dramatische Korruption und ausufernder Lobbyismus, Technokratie, Monopole und feudalistische Strukturen, Verarmung, Verblödung, idiotische Standortwettbewerbe, ein deaktivierender Sozialstaat, Werteverfall, negative Demoskopie, Auswanderung, Entfremdung, ein schrumpfendes Sozialkapital usw. kann ein freier Markt allein nicht ansatzweise lösen.
Es sollten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass jeder eigenverantwortlich handeln kann. Da sind komplexe Ideen gefragt. Im Netz gibt es reformorientierte Strömungen, welche unter anderem die freiwirtschaftlichen Ideen von Sylvio Gesell favorisieren.
Andere Vereine wie Global Change 2009 versuchen Konzepte zu erarbeiten, die sich an dem ursprünglichen Konzept der Marktwirtschaft orientieren. Egal, wie kritisch man solchen Ideen gegenüber steht und wie unausgegoren sie sind, aber es scheint doch so, dass selbst bei vielen Befürwortern der Marktwirtschaft langsam durchgesickert ist, dass die freie Hand des Marktes nicht funktioniert.^^
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Re: Gewalt - ein Lösungsweg?

Beitragvon Fremdling » Sa 31. Jul 2010, 21:44

Son of Daedalus hat geschrieben:Egal, wie kritisch man solchen Ideen gegenüber steht und wie unausgegoren sie sind, aber es scheint doch so, dass selbst bei vielen Befürwortern der Marktwirtschaft langsam durchgesickert ist, dass die freie Hand des Marktes nicht funktioniert.^^

Wie kann man das behaupten, wenn es die freie Hand des Marktes de facto nie gegeben hat? Es ist eben keine freie Marktwirtschaft, sondern sie wird uns nur von dem Staat und dessen Vertretern nur vorgegaukelt. Und dann wird sie zum Sündenbock gehalten, um vom eigenen Versagen abzulenken. Der Staat und desen Bürokraten wollen uns an den Geldbeutel. Es sind Parasiten, die durch Verwandte und Bekannte ein warmes Plätzchen in den Büros der Rathäuser, Landratsämter, Verwaltungen gesetzlicher Krankenkassen usw. ergattert haben und das Blut aus dem Markt saugen. Es ist ein Witz, daß der einzige Sektor, wo "Arbeitsplätze" während der Finanzkrise geschaffen wurden, der öffentliche Dienst ist, während in allen anderen Bereichen logischerweise Arbeitsplätze abgebaut wurden. Und wer bezahlt alle diese Schmarotzer? Die Frage kann man sich leicht beantworten.

Das Geld ist eine Ware und sollte wie jede andere Ware behandelt werden. Der Preis für jede Ware wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Also auch der Presi des Geldes, sprich die Zinsen. Ist die Kreditnachfrage stark, steigt naturgemäß der Zins, sinkt die Kreditnachfrage, geht auch der Zins zurück. (Das ist der Unterschied zur heutigen unnatürlichen Zinsmanipulation durch die Zentralbank!) Daher ist der Vorschlag von Silvio Gesell, eine Umlaufgebühr einzuführen, geradezu kriminell. Wieder so ein kläglicher Versuch mit Geboten und Verboten das Leben und die Geschäftsstrategien einzelner Individuen bestimmen zu wollen.
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Re: Gewalt - ein Lösungsweg?

Beitragvon Lone Wolf » So 1. Aug 2010, 07:00

Da sich die Diskussion um den freien Markt doch arg weit vom Thema Gewalt entfernt, gibts zu dem Diskussionsteil nun ein Extrathema. Eure Beiträge hier wurden auch noch dort kopiert, allerdings nur die entsprechenden Auszüge, die ursprünglichen Beiträge sind weiter hier. Hoffe es ist ok, ansonsten mich bitte anmeckern^^

Hier dann bitte weiter zum Thema "Gewalt - ein Lösungsweg" und was da so dazu gehört. Alles was den freien Markt und diesen Teil der Diskussion angeht, bitte in "Der freie Markt" weiterführen.
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Re: Gewalt - ein Lösungsweg?

Beitragvon Lone Wolf » Fr 27. Aug 2010, 06:43

Son of Daedalus hat geschrieben:...ist es wirklich so, dass der „Stärkere überlebt“?
Ich würde im evolutionären Sinne eher behaupten, dass nach meiner subjektiven Sichtweise der „Angepasstere überlebt“

Was da die passendere Bezeichnung ist, weiß ich nicht. Aber ich denke schon, dass man von einer gewissen "Stärke" oder besser "Härte" reden kann. Schau ich mir so manches in der Arbeitswelt an, braucht man ein sehr starkes Fell. "Sich durch boxen" passt da doch sehr gut. Man kann das natürlich auch "anpassen" an seine Umgebung nennen^^ Das ist sicher nicht überall so, aber oftmals kommt man mit Freundlichkeit und Nachgiebigkeit nicht unbedingt weiter. Entweder wird man nach Strich und Faden ausgenutzt oder es wird einem mit Neid/Missgunst begegnet - "Du willst Dich ja nur einschleimen". Und je weiter man auf der Karriereleiter nach oben klettern möchte, desto egoistischer muss man werden. So mein Eindruck, teilweise selbst erlebt, teilweise auch nur von dem, was ich so mitbekomme.

Son of Daedalus hat geschrieben:...zu einem von seiner Natur völlig entfremdeten Menschen, der gesellschaftsbedingt immer mehr zu einem konsumorientierten Einzelkämpfer verkümmert.

Was ist denn die "Natur des Menschen"? Ist der Mensch an sich wirklich frei von Gewalt/Aggression? Also von seiner Natur aus? Es war ja nicht immer so, dass der Mensch ein "konsumorientierten Einzelkämpfer" war bzw dies anstrebte. Waren die Menschen früher gewaltfreier? Wie war das denn bei den Indianern? Diese dürften doch am ehesten mit ihrer Natur gelebt haben, war ihr Leben frei von Gewalt? Auch schon bevor Amerika "entdeckt" wurde und es dadurch zu Konflikten kam.

Ich denke eher, dass dies in unseren Genen verankert ist, wie bei jedem anderen Tier auch. Und selbst wenn wir noch so "zivilisiert" sind, müssen wir diese Veranlagung raus lassen. Bei manchem ist es mehr ausgeprägt, bei anderen weniger, manche haben es besser unter Kontrolle, andere weniger gut. Ich denke der Mensch braucht das auch, also diese Anlage der Aggression, denn früher wie auch heute muss er ja in der Gruppe seinen Platz finden und behaupten. Ich denke, dass das durchaus die Natur des Menschen ist. Evtl ist es auch so, dass je größer die Gruppe und je dichter sie Zusammenlebt, es automatisch und immer wieder zu mehr oder weniger großen Ausbrüchen an "Gewalt" kommt. Damit meine ich nun nicht Kriege, sondern mehr Probleme, die es in Städten eher gibt, als auf Dörfern. Der Mensch sieht sich gerne als "zivilisierter" an und versucht wohl dieses sein natürliches Verhalten zu ignorieren, will es nicht wahrhaben, und verdammt es daher.

Dabei zeigt der Mensch doch auf so viele Arten, wie Gewaltbereit er ist. Sei es im Umgang mit Menschen, die in irgendeiner weise Schwäche zeigen oder aber auch im Umgang mit anderen Lebewesen. Oder gebe einen Menschen die Erlaubnis andere Menschen zu quälen, am Anfang ungewohnt, wird es mit der Zeit leichter und am Ende erfreut man sich an der Qual der anderen. Und das kann man noch mit reinem Gewissen tun - man hat ja nur getan, was einem gesagt wurde. Hätte der Mensch nicht von sich aus einen Hang zur Gewalt, wäre er zu derartigem fähig?

Zu den Wolfskindern. Da ist ja nun die Frage, bezieht man sie nun auf das Thema Gewalt, wie hat (hätte) sich das entwickelt? Diejenigen, welche mehrere Jahre ihres jungen Lebens irgendwo eingesperrt und isoliert waren, sie konnten sich ja nicht frei bewegen und entfalten. Wie haben sie nun auf "Fremde" reagiert? Feindselig = Gewalttätig? Diejenigen, welche überlebt haben und ein normales Leben geführt haben/führen - in wie weit unterscheidet sich ihre Lebensweise vom Rest der Menschheit, die ja unter gesellschaftlichen Zwängen groß geworden ist?

Fremdling hat geschrieben:man sollte die Rolle des Systems nicht überbewerten, gerade was das Thema Gewalt betrifft. Die Verursacher sind in jedem Einzelfall bestimmte Personen und nicht irgendeine abstrakte "Gesellschaft".

Es mag sein, daß vieles schief läuft im System, aber was einen nicht direkt trifft, kann in ihm auch keine "sadistischen Instinkte" hervorrufen. Und übrigens: das System besteht aus Einzelpersonen.

Ich denke nicht, dass man von "Einzelpersonen" sprechen kann. Wir leben zusammen und das sehr dicht beieinander. Wir haben Tag für Tag mit anderen Menschen zu tun, sie befinden sich in unserer Gesellschaft. Sie fahren neben uns Auto, man trifft sie Morgens beim Bäcker, Mittags in der Kantine und Abends im Kino. Man wechselt evtl ein paar Worte mit ihnen - man lebt zusammen. Wie kann man hier von einem Haufen "Einzelpersonen" sprechen. Sicher sind es einzelne menschliche Körper, aber durch das Leben zusammen, werden sie zu einem System. Wie sonst sollte ein Zusammenleben funktionieren? Und wir werden von jedem einzelnen beeinflusst, ob wir das nun wollen oder nicht. Bei unseren Sinnen ist etwas anderes doch auch gar nicht möglich.

Und wenn wir alle nur einzelne Personen sind und es keine "Gesellschaft" gibt und Verursacher nur bestimmte Personen sind, wie kommt es dann zu pauschalen Verurteilungen bestimmter Personengruppen? Bevorzugt Ausländer, Arbeitslose/Hartz-IV-Empfänger, andere Religionsgruppen,... Wie kann jemand, der irgendwo weit ab von einem Problem lebt, sich über gewalttätige Migranten aufregen, wenn es in seinem Dörfchen diese gar nicht gibt?

Fremdling hat geschrieben:Und ich glaube es gibt nur ganz wenige, die sich tatsächlich nach irgendwelchen "Normen" richten, die ihnen anerzogen wurden. Im Gegenteil geht man als junger Erwachsener meistens einen ganz anderen Weg.

Gehst Du nackt aus dem Haus? Oder, da Du darauf antworten könntest "es ist gesetzlich verboten!" Gehst Du ohne Schuhe aus dem Haus? Wenn Du aus dem Haus gehst, trägst Du dann einen Rock oder ein Kleid? Was sagst Du zu jemandem, der Dir morgens z.b.auf der Arbeit über den Weg läuft? Wenn Du einkaufen gehst und vor Dir an der Kasse ist eine lange Schlange, stellst Du Dich dann hinten an?

Das ist das, was mir gerade spontan einfällt. All das sind "gesellschaftliche Normen". Und ob Du das nun willst oder nicht, diese sind Dir anerzogen und Du richtest Dich nach ihnen. Oder was genau verstehst Du gerade unter "Normen"? Denn ein Großteil dieser Normen ist ja in Gesetzen verankert. Gerade im Bezug auf Gewalt. Und das man sich an Gesetze halten muss wird einem schon in jungen Jahren beigebracht. Wer nun, wenn er älter wird, meint dagegen rebellieren zu müssen, der gerät mit dem Gesetz in Konflikt, um diese "Normen" drumherum wird er nicht kommen.
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