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Das neue "Briefgeheimnis"

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Das neue "Briefgeheimnis"

Beitragvon Lone Wolf » Fr 25. Jun 2010, 16:29

Wikipedia hat geschrieben:In Deutschland wird das Briefgeheimnis durch das Grundrecht des Artikel 10 des Grundgesetzes garantiert.

Eine Beschlagnahmung von Briefen ist gem. § 94 StPO möglich. Dabei dürfen verschlossene Postsendungen jedoch grundsätzlich nicht von der Polizei oder dem Staatsanwalt geöffnet werden, sondern nur vom Richter (§ 100 Abs. 3 S. 4 StPO).

Wichtig ist der Teil mit dem "grundsätzlich nicht geöffnet werden". Denn es braucht nicht extra erwähnt zu werden, dass wenn Polizei und Staatsanwalt dies "schon" nicht dürfen, dass ein "normaler Bürger" das ebenso nicht darf. Das ist nun anders.

FAZ hat geschrieben:Die Bundesagentur für Arbeit will vom Herbst an ihre rund 35 Millionen Papierakten auf elektronische Akten umstellen. Das heißt für viele Bürger: Anträge für Arbeitslosengeld I oder Kindergeld werden künftig in speziellen Scanzentren der Post aussortiert - und geöffnet.[...]

Zu den Kunden der Post, die diese spezielle Dienstleistung schon seit einigen Jahren anbietet, gehören nach Angaben eines Sprechers Unternehmen sowie Banken und Versicherungen, die einen hohen Anteil an standardisiertem Schriftverkehr haben.

Evtl geht das ja nur mir so, aber mir sträuben sich da die Haare, wenn ich das lese. Aber da ist jede Sorge von mir natürlich völlig unbegründet "Der Einhaltung des Datenschutzes werde dabei höchste Priorität eingeräumt. "

In dem Artikel steht nichts übers Finanzamt, das wäre doch noch eine Behörde, die da auch noch prima rein passen würde. Damit dann auch der letzte Teil meiner Daten geöffnet werden darf und somit von völlig unbekannten und für mich unbefugten Personen gelesen werden kann.

Ich persönlich finde ja, dass das etwas ist, wo ich gerne gefragt werden würde und es zwingend wäre, dass ich dem zustimme. Soweit ich das nun herauslese macht das manche Bank nun schon - ich wurde da bisher noch nicht mal drüber informiert. Ich finde das absolut unmöglich!

Wie seht ihr das? Man macht das ja unter anderem dann auch, damit „Bis zur vollen Umsetzung 2015 werden wir mehr als 1000 Verwaltungsstellen dadurch einsparen“ dies umgesetzt werden kann. Also wie so oft werden Stellen durch so etwas gestrichen. Sicher, im Gegenzug entstehen neue Stellen bei der Post, irgendwer muss das ja in die Scanner legen, aber sicher nicht in dem Maße. Vertraut ihr der Sache? Was wenn doch mal ein "kleines Missgeschick" passiert und ein paar Daten weiter gegeben werden? Und verstößt dies nicht eigentlich gegen das Grundgesetz? Immerhin sind bei einem Briefwechsel 2 Parteien beteiligt, müssen dann nicht erst beide zwecks Zustimmung gefragt werden?
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Re: Das neue "Briefgeheimnis"

Beitragvon Lone Wolf » Fr 9. Jul 2010, 19:54

Das wird wahrscheinlich eh nur eine "Übergangslösung" für das eigentlich "neue" was die Post nun entwickelt hat, den "digitalen Brief". An sich nichts anderes als eine E-Mail, nur ist die Sicherheit wohl ein wenig besser und das Schreiben wird verbindlich zu gestellt.

Bild


Wichtig ist, dass man sich bei der Post registrieren lässt. Ohne das muss der Brief wieder ausgedruckt werden und mittels Briefträger zum Empfänger gebracht werden, oder aber wie in dem Beitrag oben beschrieben, geöffnet und eingescannt werden. Der digitale Brief soll an sich nur 15-20 cent kosten, muss er aber wieder in der herkömmlichen Art überbracht werden, kostet der Aufwand weiter 55 cent. Diese Einsparungen in der Zustellgebühr ist für die Großkunden natürlich ein enormer Anreiz. Daher werden sie wohl zusehen, dass ihre Kunden umsteigen.

FAZ hat geschrieben:Die sichere Authentifizierung von Absender und Empfänger und die Verschlüsselung der Daten genügen, um viele neue Anwendungen zu ermöglichen, die sich aus Sicherheitsgründen im Internet bisher verbieten. Versicherungspolicen, Bankunterlagen, Gehaltsabrechnungen oder sensible Gesundheitsdaten könnten elektronisch versendet, private Verträge digital abgeschlossen werden, verspricht die Post. Neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen elektronische Archivierungssysteme oder Bezahlsysteme im Internet, die sich die eindeutige Nutzeridentifizierung zunutze machen.

Ich hoffe, dass die Archivierungssysteme nicht im Internet entstehen sollen. Gut Google freut sich da bestimmt drüber, das wird schon einen Weg da hinein finden. Ansonsten stehe ich der Sache sehr skeptisch gegenüber. Ich vertraue einem verschlossenen Briefumschlag einfach mehr, als einem "sicheren Mail Programm". Da werden findige Leute schon einen Weg finden, dieses zu knacken. Und mögliche Überwachungen/Zugriffe vom Staat werden so auch einfacher. Die Daten sind ja dann so schön alle beieinander. Gab es da nicht mal diese "Idee" mit der "Vorratsdatenspeicherung". Wird das dann da auch dazu genommen? Na da kommt Freude auf....

Und dann wollen wir noch hoffen, dass wir niemals einfach mal so einen größeren Stromausfall haben. Durch den evtl mal ein paar Daten verloren gehen. Und bewahre den, der kein Internet zu Hause hat, oder grad mal Probleme hat die Stromrechnung zu zahlen und so nicht an seine Briefe kommt.
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Re: Das neue "Briefgeheimnis"

Beitragvon Son of Daedalus » So 25. Jul 2010, 19:50

Ich finde diese Idee völlig idiotisch.^^
Wieso schicken denn die Ämter eigentlich überhaupt noch kostenpflichtige Post, anstatt kostenlose Mails?
Mein Telefonanbieter hat mir gerade mitgeteilt, dass er mir zukünftig meine Telefonrechnung (natürlich nur wegen dem "Umweltengagement" :D :D :D) nun nur noch Online mitteilen möchte.

Um etwas weniger im Netz zu kommunizieren, habe ich Bekanntschaften vom Mail oder PN-Kontakt auf "Brieffreundschaft" umgestellt. Es ist doch etwas angenehmer, "realer" und persönlicher, Handschriften auf Papier zu lesen. Vielleicht sollte ich mir langsam Brieftauben zulegen?^^

Ich frage mich sowieso, wie sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Soweit ich weiß, hat die Post AG in Berlin mit der PIN AG eine starke Konkurrenz, welche meines Wissens nach die behördliche Post austrägt.^^
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Re: Das neue "Briefgeheimnis"

Beitragvon Lone Wolf » Sa 31. Jul 2010, 18:11

Son of Daedalus hat geschrieben:Wieso schicken denn die Ämter eigentlich überhaupt noch kostenpflichtige Post, anstatt kostenlose Mails?

Weil die Mühlen der Bürokratie bekanntlich sehr sehr langsam mahlen. Wobei es ja immer noch Menschen gibt, die weder PC, noch Internet oder gar eine E-Mail Adresse haben. Und so gering dürfte der Anteil dieser "Spezies" auch nicht sein, da hier überwiegend ältere Menschen betroffen sein werden. Ich denke das braucht einfach noch, bis man das wirklich für alle üblich umstellen wird können.

Mir wäre es auch lieber, man würde unwichtigen Quatsch per normaler Mail schicken, dafür aber die etwas empfindlicheren Schreiben weiter mit der normalen Post senden.

Ich denke eh, dass das nur ein verzweifelter Versuch der Post ist, wieder mehr zu tun zu bekommen. Die meisten Menschen schreiben heute nun mal Mails, geht halt schneller. Und dann diese ganzen Konkurrenzfirmen, die nun auch Briefe austragen dürfen. Und auch auf dem Sektor der Pakete ist man ja seit längerer Zeit schon nicht mehr alleine tätig. Da muss man sich halt irgendwas einfallen lassen, wieder an mehr Kunden zu kommen. Also erfinden wir die E-Mail neu^^ Man wird sehen, wie sich das entwickelt und angenommen wird. Ich bezweifle, dass das Erfolg haben wird.
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Re: Das neue "Briefgeheimnis"

Beitragvon Son of Daedalus » Mo 2. Aug 2010, 19:10

Lone Wolf hat geschrieben:Mir wäre es auch lieber, man würde unwichtigen Quatsch per normaler Mail schicken, dafür aber die etwas empfindlicheren Schreiben weiter mit der normalen Post senden.

Ich denke eh, dass das nur ein verzweifelter Versuch der Post ist, wieder mehr zu tun zu bekommen. Die meisten Menschen schreiben heute nun mal Mails, geht halt schneller. Und dann diese ganzen Konkurrenzfirmen, die nun auch Briefe austragen dürfen. Und auch auf dem Sektor der Pakete ist man ja seit längerer Zeit schon nicht mehr alleine tätig. Da muss man sich halt irgendwas einfallen lassen, wieder an mehr Kunden zu kommen. Also erfinden wir die E-Mail neu^^ Man wird sehen, wie sich das entwickelt und angenommen wird. Ich bezweifle, dass das Erfolg haben wird.

Das wünschte ich mir auch. Außerdem teile ich Deine Skepsis.^^
Zwar steigt die Post als erstes mit einem Online Brief für 55 Cent in den E-Brief-Markt ein, aber der Netzkonkurrent United Internet (gmx, web.de) wird wohl mit einem Angebot von 20 Cent kontern und Telekom Online möchte anscheinend sogar mit einem Gratisbrief in den Wettbewerb einsteigen.
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Re: Das neue "Briefgeheimnis"

Beitragvon Lone Wolf » Sa 7. Aug 2010, 18:35

Ich hatte immer gedacht, die Post will den für...

FAZ hat geschrieben:Schätzungen zufolge wird sich der Preis für die durchgängig digitale Zustellung in der Größenordnung von 15 bis 20 Cent bewegen, das Porto für den Hybridbrief dagegen in der Nähe der 55 Cent, die für einen Standardbrief der Post fällig werden.

auf den Markt bringen. Also auch in der Größenordnung dann wie die Konkurrenz. Eine Kurze Suche bei Google brachte "E-Brief der Post soll 55 Cent kosten" zu Tage und gibt Dir recht. Was bitte soll das dann? Ich dachte das soll billiger werden? Also für die Leute, die das dann verwenden, damit die das eben auch verwenden. Jetzt soll das dann nur den Weg zur Post ersparen? Ach und natürlich der Umwelt gutes tun.^^

Ansonsten hört sich das bisher eh nicht so an, als ob das erfolgreich werden wird. Ein paar Leute müssen sich wohl mal die Bedingungen der Post zu dem Teil durchgelesen haben, und dabei fielen ein paar negative Punkte auf.

FAZ hat geschrieben:... der Nutzer müsse nach den Bestimmungen täglich sein elektronisches Postfach leeren
... dass Daten nach ihrer Löschung durch den Nutzer "gegebenenfalls zunächst nur gesperrt und dann erst mit zeitlicher Verzögerung endgültig gelöscht werden"
... dass die Post mit den Adressen der registrierten Nutzer Handel treiben dürfe

Den ersten Punkt finde ich nun eher lächerlich und nicht wirklich extrem bedenkenswert, die anderen beiden hingegen auf jeden Fall! Der eine klingt ein wenig nach "speichern wir doch mal ab, was so unterwegs ist und evtl könnte man sich das dann ja mal genauer ansehen". Und der 3.Punkt ist das was man eh immer liebt. Daten an andere weitergeben, die dann damit was tun? Im besten Falle mich nur mit Werbung nerven.

Mit Punkt 1 könnte ich leben. Punkt 2 und 3 -> danke ich verzichte auf diese "neue Art der E-Mail".
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