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WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

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WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

Beitragvon Lone Wolf » Fr 16. Apr 2010, 20:11

* auch wenn das Thema mit "Technik" so nichts zu tun hat, da es um die "Vorstellung" einer Internetseite geht, kam es zu der Ehre hier zu landen *

Wahrscheinlich hinke ich meiner Zeit mal wieder Meilen hinterher. Trotzdem möchte ich diese Seite hier einmal zur Sprache bringen.

WikiLeaks gibt es bereits seit Ende 2006. Die Seite veröffentlicht "geheime" Informationen über Vertuschungen. Diese können nun Wirtschaftlicher Natur sein oder aus dem Bereich der Religion kommen, manche Politischen Parteien werden sich hier evtl wiederfinden und vieles mehr. Nicht zuletzt die US Army findet hier einige Verschlusssachen, die sie der Öffentlichkeit lieber nicht präsentieren wollten.

Es ist klar, dass diese Informationen von vielen sehr geschätzt werden, all jenen nämlich, vor denen man sie geheim halten wollte. Genauso klar ist, dass es viele gibt, denen die Seite ein Dorn im Auge ist und die sie gerne wieder verschwinden sehen würden. Das scheint so einfach aber nicht zu sein. Zum Glück?


Aufmerksam geworden bin ich auf die Seite, als ich über die Veröffentlichung eines Videos gestolpert bin. Zu sehen und hören sind Aufnahmen der US-Army - aufgenommen aus einem "Apache helicopter" - die einem einen realen Einsatz und das Vorgehen demonstrieren. Bei diesem Vorfall starben mehrere Menschen, unter anderem auch 2 Mitarbeiter von Reuters - Journalisten also. Dazu wurden beim Beschuss eines Autos noch 2 Kinder verletzt.

Wen es interessiert, hier der Link zu dem Beitrag auf der Seite von WikiLeaks -> Collateral Murder

Dieser Beitrag hat nebenbei, bei vielen für Entrüstung gesorgt. Wie kann sowas möglich sein? Wie selbstherrlich von der US-Army so einfach in Sekunden über Leben und Tod zu entscheiden. Mancher findet hier also durchaus ein gefundenes Fressen für seine Verdachte, Vorbehalte, Verschwörungstheorien,... Ich persönliche tue mich da, gerade auch in dem Beispiel mit den Aufnahmen, eher schwer. Sicher, aus der Ferne betrachtet und mit einem Tässchen Kaffee vor mir, kann ich das Handeln leicht und schnell verurteilen. Wenn ich vor Ort wäre, um mich herum geschossen wird, ich evtl gestern einen Angriff erlebt habe und vor 2 Tagen 3 Blocks weiter ein Attentäter ein Auto in die Luft gejagt hat und dabei 2 meiner Kameraden gestorben sind, da handelt man dann evtl etwas anders. Da geht es vor allem real um "Leben oder Tod" bzw "Warte ich eine Sekunde zu lange, schießt der andere zuerst und ich bin tot". Daher kann ich solches Material und die "Verantwortlichen" da auch nicht für verurteilen. Andere mögen das anders sehen.

Aber auch beim Rest bin ich eher vorsichtig. Woher will ich wirklich so genau wissen, ob das nun richtig ist, ob das wahr ist?

wdr.de hat geschrieben:Denn Wikileaks will für alle zugänglich machen, was andere gerne geheim halten würden. Das Projekt will nach eigenen Angaben "denen zur Seite stehen, die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen". Und so hat sich die Plattform zu einer der wichtigsten Seiten für "Whistleblower" im Netz entwickelt - also für Insider in Unternehmen, Regierungen oder in anderen wichtigen Machtpositionen, die der Öffentlichkeit Geheimmaterial zugänglich machen wollen. Wikileaks machte interne Dokumente von Scientology genauso publik wie die Handbücher der US-Armee zur Behandlung der Gefangenen in Guantánamo Bay. Durch aufwendige Verschlüsselungsmechanismen sollen Identität und Herkunft der Hinweisgeber und Quellen anonym bleiben.


Die Idee ist gut, keine Frage! Und ich halte das auch für ausgesprochen wichtig. Nur bin ich der Meinung, dass man auch - oder gerade - diese Seite mit Vorsicht genießen sollte. Bei Zeitungen weiß ich, dass ich nicht alles glauben sollte, was man mir glauben machen möchte. Hier ist man einfach dahinter her, dass man möglichst viele Leser hat, die Zeitung gekauft wird und man viel Geld bekommt. Das sollte nun auf solch einer Seite keine Rolle spielen. Man verdient damit ja so gesehen kein Geld.


Nun kennt ihr die Seite schon? Was haltet ihr davon, dass man hier versuchen möchte Vertuschungen zu verhindern?

Für Wikileaks sei aber nur Transparenz an sich das Ziel.


Ist denn die Veröffentlichung von "angeblichen" geheimen Dokumenten schon Transparenz? Wie kann man wissen, dass das, was dort geschrieben ist auch wahr ist? Und wie sieht es mit den Hintergründen aus? Mitunter gibt es ja durchaus auch Dinge, die in einem Zusammenhang stehen, der wichtig ist und so Entscheidungen, die ohne das Wissen sofort zu verurteilen wären, doch wieder legitim werden lassen.
Zuletzt geändert von Lone Wolf am Fr 16. Apr 2010, 20:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

Beitragvon Son of Daedalus » Do 13. Mai 2010, 21:41

Ich finde es gut, dass es im Netz Seiten gibt, welche Gegenmeinungen dem Mainstream entgegensetzen.
Doch halte ich es für ebenso wichtig, auch diese Theorien zu hinterfragen und sich selbst, so weit es geht ein Bild zu machen. Ich checke soweit wie möglich die Fakten und meide die vorgegebenen Zusammenhänge.
Ich persönlich mag auch Satiresendungen, weil die Kabarettisten mittlerweile oft die Rolle der Opposition wahrnehmen.
Hier geht es mal um deutsche Leistungsträger: http://www.youtube.com/watch?v=L9RqL8PQw5U
Die Verrückten wurden anscheinend mittlerweile durch Gegengutachten wieder rehabilitiert und mit dem Whistleblowerpreis 2009 ausgezeichnet.
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Re: WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

Beitragvon Lone Wolf » Mo 17. Mai 2010, 22:29

Ich denke auch, dass man hier - ähnlich wie bei den Medien - nicht alles für bare Münze nehmen sollte. Zur Ergänzung anderer Quellen sicher sehr gut, da die Sichtweise sicher eine andere ist und weniger Gefahr besteht, dass jemand versucht zu steuern, was die Bevölkerung denken soll. Nur als alleinige Quelle fehlt doch wieder sehr viel und man kann sich auch hier ja nie 100% sicher sein, dass alles so stimmt, wie berichtet wird.

Zur Satire kurz - da ich wenig bis nie Fernsehe, bekomme ich selten etwas aktuelles mit. Doch dank Internet und youtube findet man im Lauf der Jahre doch viele sehenswerte und auch bedenkliche Beiträge.

Nach wie vor aktuell - "Der Kompromiss" Keine Ahnung wie alt das wirklich ist, aber 10 Jahre werden das bestimmt sein, eher mehr. Das dürfte noch ziemlich aus den Anfängen der Kabarettisten stammen. Neuer ist da schon eher "Volker Pispers", den ich mir so dann und wann doch gerne ansehe. "Wirtschaftsexperten, was blöderes finden sie in keinem Tierpark" (2008) bzw "Und in der Medizin diskutieren die ernsthaft, ab wann man Hirntot ist" (2009). In den Klammern die Jahreszahlen, wann das online gestellt wurde, kA wann das dann gesendet wurde. Wenn man sich das so ansieht, das eine vor gut 2 Jahren, das andere vor gut 1 Jahr, Thematisch würde das heute perfekt passen, einzig das Wort "Griechenland" fehlt.

Was mir aber zu dem Thema "Enthüllungs-Website" noch untergekommen ist, ist die "Open-Data-Bewegung". Hier will man an sich zwar erstmal nichts weltbewegendes neues Enthüllen, aber doch mal dafür sorgen, dass das was an Daten veröffentlicht werden kann, auch zusammenfassend an einem Ort im Internet geschieht. Und das am besten erstmal ohne Zusammenhänge. So dass man sich da Quasi selbst die Daten raussuchen kann, die man im Vergleich sehen möchte.

Tagesschau hat geschrieben:An wen gehen eigentlich die vielen Milliarden Euro, die die EU jährlich an Landwirtschaftssubventionen verteilt? [...] Ob Staatsausgaben, Umweltmessungen oder Daten zum Gesundheitswesen, Parlamentsprotokolle und Terminkalender, die festhalten, wann welche Interessengruppen in Parlamentsausschüssen vorgesprochen haben: "Bei Open Data geht es darum, nicht-personenbezogene öffentliche Daten zugänglich zu machen"

Das ist ebenfalls eine Idee oder Forderung, die ich sehr gut finde. Wen es interessiert, der kann sich dort mit vielen Dingen beschäftigen, völlig frei und kostenlos. Wer lieber fertige Analysen haben möchte, bekommt die ja weiterhin in den Nachrichten geliefert.
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Re: WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

Beitragvon Son of Daedalus » Mi 19. Mai 2010, 18:54

@Lone Wolf
Ich mag das politische Kabarret. Bei Hallervordens-Spott-Light war ich sogar schon einmal als Zuschauer und Volker Pispers finde ich auch gut. Ich schaue mir regelmäßig über das Netz (zdf.de) "Neues aus der Anstalt" an, denn ich habe und brauche keinen Fernseher.^^

Ich finde es gut, dass sich viele Menschen in der Open Data Bewegung engagieren. Auch ich bin der Ansicht, dass Wissen allen Menschen zur Verfügung stehen sollte.

Ich versuche meine Meinung durch Meinungsvielfalt zu ergänzen. Die Krisen der letzten Zeit verdeutlichen doch immer mehr, dass selbst die Journalisten Opfer einer immer schnelleren Entwicklung werden.
Außerdem ist dieser Kreis ebenfalls durch knallharte Einsparungen betroffen. Dies hat den Effekt, dass immer mehr unerfahrene Praktikanten oder Volontäre das Wort ergreifen und gleichzeitig der sogenannte investigative Journalismus permanent abnimmt.
Allein im Netz kann man den permanenten Trend von harten hin zu weichen Themen mitverfolgen.
Selbst der Spiegel hatte sich in seiner Online-Ausgabe intensiv dem Thema gewidmet, mit wem der Ex von einer bekannten Schauspielerin diese nun betrogen hatte. Mittlerweile geht es also nicht einmal mehr um die B-Promis selbst, sondern um deren Anhang und sogar um die Subjekte der Affairen eines solchen.^^

Viele Menschen verlangen nach Unterhaltung, nur wenige, nach Information. So ist auch dies einer der Gründe, warum es immer schwieriger wird, an wirkliche Informationen zu kommen.

Im alten Forum hatte mich bei einem Thema die Neugierde gepackt und ich hatte intensiv versucht, mehr Information zu diesem Thema zu erlangen, wo meiner Meinung nach eine für mich relevante Information fehlte.
Ich suchte im ganzen Netz und bin letztendlich zu der festen Überzeugung gelangt, dass alle Zeitungen, die Meldung der Nachrichtenagentur lediglich übernommen hatten. Alle schrieben faktisch genau das Gleiche!
Eine solche Entwicklung sehe ich als negativ.
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Re: WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

Beitragvon Lone Wolf » Mo 7. Jun 2010, 18:44

Son of Daedalus hat geschrieben:Ich suchte im ganzen Netz und bin letztendlich zu der festen Überzeugung gelangt, dass alle Zeitungen, die Meldung der Nachrichtenagentur lediglich übernommen hatten. Alle schrieben faktisch genau das Gleiche!

"Ursula van der Leyen" sag ich da nur. Irgendwer sagte an irgendeiner durchsickernden Stelle etwas und man las es überall und nichts anderes mehr. Und es war an sich auch absolut völlig egal was man las, Spiegel, FAZ, ZEIT, Tagesschau oder örtliche Zeitungen - die hätten einfach einen Atrikel schreiben sollen und an alle verschicken sollen. Es hätte so gar keinen Unterschied gemacht. Interessant ist es nach so was dann aber, wie die Medien da reagieren. Die neigen dazu "die Medien" dann ein wenig runter zumachen. Vergessen aber grundsätzlich, dass sie selbst exakt auch so schrieben. DAS finde ich dann extrem merkwürdig.


Aber mal kurz noch was zu der Seite "WikiLeaks" bzw dem Video über den Angriff im Irak. Ich las gerade, dass derjenige, der das Video dort hoch geladen hat nun identifiziert und verhaftet wurde. So zumindest berichtet die Seite "Wired".

Zeit hat geschrieben:Wired berichtet, der 22-jährige Bradley Manning aus Maryland habe in einem Online-Chat damit angegeben, dass er es gewesen sei, der das brisante Videomaterial an die Seite geliefert hätte. Er habe auch ein weiteres Video von einem amerikanischen Luftschlag auf die Seite geladen. Es zeige Aufnahmen des Angriffs bei Garani in Afghanistan, bei dem schätzungsweise Hundert Zivilisten ums Leben gekommen sind. Außerdem habe er auch Hunderttausende, äußerst heikle Dokumente aus dem Außenministerium nach draußen geschmuggelt und an Wikileaks gegeben.

Wikileaks hat diese Dokumente aber weder bereits veröffentlicht, noch bestätigt die Seite, in ihrem Besitz zu sein.


Sollte der Junge wirklich verantwortlich für die Veröffentlichung sein, wünsche ich ihm für die nächsten Jahre alles gute. Evtl sollte er in der Zeit aber auch mal drüber nachdenken, mit wem er sich wo über was unterhält. Denn die Aktion wäre dann mal so richtig dämlich.

Interessant ist aber, warum sein Gesprächspartner, diese Informationen ans FBI weitergab

Zeit hat geschrieben:"Ich hätte das nicht getan, wenn nicht Menschenleben in Gefahr gewesen wären"

Was für Menschenleben waren denn bitte in Gefahr? Aber ich werde mir diesen Satz merken. Ich werde ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit einwerfen, denn man kann den sicher auf alles anwenden. Ob der Junge nun hofft einen Orden zu bekommen, weil er so selbstlos gehandelt hat?
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Island - Server für Journalisten weltweit

Beitragvon Lone Wolf » Sa 19. Jun 2010, 18:27

Da unter anderem auch die Seite "WikiLeaks" dort in Zukunft ihr Zuhause finden könnte und der Gründer der Seite an dem Gesetz mit beigetragen hat, pack ich die Meldung hier mit dazu.

Anscheinend gibt es doch ein paar Leute, auch in Regierungskreisen, die derartige Aufklärung für sehr wichtig halten. Auch wenn die Politiker in diesem Fall aus Island stammen. Island, das Land, dass ja als eines der ersten meldete, dass der Staat pleite ist.

die Presse hat geschrieben:Ein Auslöser für IMMI war der Zusammenbrach der größten isländischen Bank Kaupthing und deren Versuche, Medien mit Klagen mundtot zu machen. Das isländische Fernsehen durfte einen Beitrag über deren Finanzprobleme nicht ausstrahlen.

Das ist dann natürlich auch für einen Staat eine Motivation, für die freie Verbreitung von Nachrichten zu sorgen. In dem Zuge aber ein Gesetz zu erlassen, der es auch Journalisten aus anderen Ländern ermöglichen soll, hier einen sicheren virtuellen Hafen zu finden, geht dann schon über eigene Interessen hinaus.

die Presse hat geschrieben:Das isländische Parlament, das Althing, hat einstimmig ein Gesetz beschlossen, das weltweit die wohl größten Freiheiten für Journalisten vorsieht.[...]
Island will auch Serverfarmen für investigative Journalisten auf der ganzen Welt bereitstellen, wo sie ihre gesammelten Informationen sicher lagern können, um sie vor Zugriff von repressiven Regierungen zu schützen. Zwar würden sie in ihren jeweiligen Ländern weiterhin den lokalen Gesetzen unterworfen sein. Wenn sie brisante Informationen veröffentlichen, und dazu zählt auch das Bereitstellen auf einer Website, besteht die Gefahr, dass sie in ihrem Heimatland angeklagt werden. Islands Gesetzgeber und Wikileaks-Gründer Assange hoffen aber, dass IMMI einen Dominoeffekt in anderen Ländern, beginnend in Europa, haben wird.

Das klingt doch mal gar nicht schlecht. So ist man wohl zumindest bis zur Veröffentlichung "sicher". Das man hinterher (nach der Veröffentlichung) in seinem Land nach wie vor verfolgt werden und bestraft werden kann, ist an sich klar. Es ist halt die Frage, ob die Regierungen dann zugriff bekommen und dafür sorgen können, dass derartige Veröffentlichungen wieder gelöscht werden. Ich vermute aber, dass das so einfach nicht gehen wird.

Und hoffentlich haben sie mit ihrer Hoffnung bzgl des Dominoeffekts recht. Man könnte diese Seiten - also nun bezogen auf WikiLeads - auch in einer gewissen Konkurrenz zu den normalen Medien sehen. Und evtl geben solche Seiten, dann den Medien wieder den Ansporn ein wenig objektiver an Berichte heranzugehen und Meldungen wieder vermehrt zu hinterfragen.
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Re: WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

Beitragvon Son of Daedalus » Do 24. Jun 2010, 18:41

Mittlerweile hat man den Eindruck, einem Kampf "Vertuscher vs. Aufklärer" beizuwohnen.
Deshalb begrüße ich die Einstellung der isländischen Regierung, insbesondere die Miteinbeziehung solcher Aufklärer.
Das Internet unterliegt als Zufluchts- und Versammlungsort der freien Geister immer dem besonderen Interesse der kontrollierenden Instanzen.

Ich bin vor kurzem auf die "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace" (1996) von John Perry Barlow gestoßen.
Auszug:
"Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.
Wir besitzen keine gewählte Regierung, und wir werden wohl auch nie eine bekommen - und so wende ich mich mit keiner größeren Autorität an Euch als der, mit der die Freiheit selber spricht. Ich erkläre den globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig von der Tyrannei, die Ihr über uns auszuüben anstrebt. Ihr habt hier kein moralisches Recht zu regieren noch besitzt Ihr Methoden, es zu erzwingen, die wir zu befürchten hätten."
Quelle

Klar, dass die Kontrollfetischisten auch diese Bastion der freien Meinungsäußerung unter der Zuhilfenahme aller nur erdenklicher Mittel, einnehmen wollen. Sicherlich gibt es auch Gefahren im Netz, aber solche Nachrichten über die *neue Gesetzesinitiative in den USA* sehe ich doch sehr skeptisch.
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Re: WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

Beitragvon Lone Wolf » Mi 7. Jul 2010, 14:34

Danke dir für die Links. Der Artikel über Amerika gibt mir sehr zu denken. Das klingt dann doch irgendwie nach "Drohung mit Diktatur". Sicher soll das alles nur dem Schutz des Allgemeinwohls dienen, aber derartiges kann auch missbraucht werden. Gibt es Nachrichten, die nicht unters Volk gehören, können wir die Medien noch steuern, aber bei Internet haben wir ein Problem - das könnte nun gelöst werden. Abgesehen davon ist es - meiner unwissenden Meinung nach - doch eh unmöglich das Internet einfach mal so abzuschalten. Man muss bedenken, was da alles auch drüber gesteuert wird. Ein totaler Ausfall des Internets dürfte das Land ziemlich lahmlegen? Welcher Schaden wäre dann größer, durch den Angriff von außen oder durch die Notabschaltung?


Son of Daedalus hat geschrieben:Mittlerweile hat man den Eindruck, einem Kampf "Vertuscher vs. Aufklärer" beizuwohnen.

Und im Fall des Falles ist es dann der Aufklärer, der verurteilt wird. Denn sollte er wirklich Straftaten aufdecken, die aber "geheim" waren und dabei erwischt werden, ist es völlig egal, dass da eine Straftat aufgezeigt wurde, es war ja "geheim".

So ergeht es nun dem schon erwähnten Mann, der das Video von einem Kampfeinsatz veröffentlichte. Er hat damit "vertrauliche Informationen" weitergegeben und muss sich nun vorm Kriegsgericht verantworten. Er hat noch Glück, denn die Straftat hat maximal eine Haftstrafe von 52 Jahren zur Folge, aber keine Todesstrafe. Das finde ich jetzt dann schon arg herbe. Ist es wirklich gerechtfertigt jemanden für diese Tat 52 Jahre seines Lebens einzusperren? Was genau wurde mit dem Video denn an geheimer Information weitergegeben, die dem Land nun schaden könnte? Mal abgesehen vom Ansehen der Amis, welches eher gesunken ist. Wenn es nun Baupläne geheimer Anlagen der Amis gewesen wären, dann könnte man das ja noch irgendwie nachvollziehen, aber wegen dieser Aufnahmen? Da kann man dem Mann nur wünschen, dass die tatsächliche Strafe weit unter diesem Höchstmaß liegen wird. Ich vermute aber man will damit ein abschreckendes Beispiel für seine Kameraden liefern. Damit ja nicht irgendwer auf die Idee kommt, das nachzuahmen. (Wikileaks-Informant kommt vors Kriegsgericht)
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Re: WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

Beitragvon Son of Daedalus » Mi 7. Jul 2010, 17:02

Lone Wolf hat geschrieben:Man muss bedenken, was da alles auch drüber gesteuert wird. Ein totaler Ausfall des Internets dürfte das Land ziemlich lahmlegen? Welcher Schaden wäre dann größer, durch den Angriff von außen oder durch die Notabschaltung?

Da haste sicherlich recht. Die Hemmschwelle scheint im ersten Augenblick zu hoch, allerdings gehören solche Androhungen an sich schon zum allgemein forcierten Bedrohungsszenario.

Darunter würde ich auch die von Dir zitierte Nachricht einstufen
Lone Wolf hat geschrieben:Er hat noch Glück, denn die Straftat hat maximal eine Haftstrafe von 52 Jahren zur Folge, aber keine Todesstrafe. Das finde ich jetzt dann schon arg herbe. Ist es wirklich gerechtfertigt jemanden für diese Tat 52 Jahre seines Lebens einzusperren? Was genau wurde mit dem Video denn an geheimer Information weitergegeben, die dem Land nun schaden könnte?

Krass!
Bei so einer Anklage geht es meines Erachtens nur um die Abschreckung.
Jeder Mensch mit einem Hauch von Verstand weiß, dass Soldaten eigentlich einen anderen Zweck haben, als Zivilisten zu helfen und es ein sauberer Krieg eine Illusion ist. Dennoch ist jeder Whistleblower den Machthabern in Hinsicht auf das Meinungsmonopol ein Dorn im Auge. Macht funktioniert immer auch zu einem gewissen Anteil im Verborgenen. Lässt man bei einem die Zügel locker, könnten viele andere Geheimnisträger dazu animiert werden, mit ihrem Wissen ebenfalls an die Öffentlichkeit zu gehen.
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Re: WikiLeaks - "Enthüllungs-Website"

Beitragvon Lone Wolf » Sa 31. Jul 2010, 18:32

Son of Daedalus hat geschrieben:Bei so einer Anklage geht es meines Erachtens nur um die Abschreckung.

Da wird sicher noch mehr kommen. Nachdem ja nun noch Papiere veröffentlicht wurden, die laut US-Regierung aber nichts weltbewegend neues beinhalten und somit Quasi Schnee von Gestern sind, und man über deren Veröffentlichung aber trotzallem alles andere als glücklich ist, wird das noch weitere Kreise ziehen. So wie es derzeit aussieht wurden auch diese Dokumente von dem Soldaten weitergeleitet, der auch schon das Video veröffentlichte. Damit wird die Strafe nun sicher drastisch nach oben gehen. Denn das Video hat evtl nur dem Ansehen ein wenig geschadet, die Papiere nun könnten Probleme nach sich ziehen. (Informanten abschrecken und so)

Dazu kommt aber, dass man derzeit am Überlegen ist, ob man nicht doch auch gegen die Seite "WikiLeaks" bzw deren Betreiber "Julian Assange" vorgehen könnte.

20min.ch hat geschrieben:Das US-Justizministerium prüft, ob Wikileaks aufgrund eines Spionage-Gesetzes von 1971 angeklagt werden kann. Es verbietet die unautorisierte Veröffentlichung von sicherheitsrelevanten Informationen.

Ich vermute stark man wird einen Weg finden. Man wird sehen, wie lange es die Seite dann noch geben wird. Es ist fraglich, ob sich der Betreiber mit den USA wirklich wird anlegen können.

Gleichzeitig versucht man aber auch Stimmung gegen die Seite und gegen die Veröffentlichung solcher Dokumente zu machen

20min.ch hat geschrieben:Scharf ging Mullen mit dem Wikileaks-Chef Julian Assange ins Gericht. Er könne sagen was er wolle über die gute Sache, die er und seine Quelle angeblich verfolgen. «Aber die Wahrheit ist, dass schon das Blut eines jungen Soldaten oder einer afghanischen Familie an ihren Händen kleben könnte.»

Interessant... Da sollten sich die Amis dann aber an die eigene Nase fassen. Denn wenn sie nicht gewesen wären, gäbe es die Dokumente nicht und man hätte gar keinen Grund jemanden umzubringen. Das ist ungefähr so, als würde man den Soldaten einen Mörder nennen, der aufgrund der Befehle von oben Gegner erschossen hat.

Das werden nun harte Zeiten für die Seite und ihren Betreiber. Die USA werden sich das nicht gefallen lassen. Und wie auch mit dem bereits in Haft genommenen Soldaten, werden sie auch hier sicher ein abschreckendes Beispiel demonstrieren wollen - wehe dem, der auf die Idee kommt, es dieser Seite nachmachen zu wollen!

Und zum Thema "Enthüllungsjournalismus" noch ein Bericht: Ausgelagert und erfolgreich. Irgendwelche Missstände selbst aufzudecken ist zu teuer. Die Journalisten brauchen zu lange, kosten zu viel und das Ergebnis bringt zu wenig ein. Daher macht das die normale Zeitung nicht mehr, nun gilt "bei Enthüllungsjournalismus dürfe es nicht mehr ums Geldverdienen gehen. Vielmehr müsse er gemeinnützig betrieben werden". Was auch sehr praktisch ist, denn wenn es mal zu "Problemen" wie den oben geschilderten kommt, können die Zeitungen doppelt berichten, haben selbst aber weder Ärger noch Kosten. Ist doch so wirklich viel praktischer....
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